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Das Lastenrad als regionales Mobilitätsangebot

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik hat mit mehreren Partnern, darunter der Stadt Frankfurt am Main, untersucht, inwieweit Verleihsysteme für Lastenräder dieses Verkehrsmittel für die breite Bevölkerung attraktiver machen könnten. Die Ergebnisse des Projekts sind nun veröffentlicht.

e-Lastenrad zum Ausleihen

Verleihsysteme im Fokus

Deutschlands Innenstädte benötigen aufgrund von Umweltproblemen und begrenztem Parkraum dringend alternative Mobilitätsangebote wie das elektrische Transportrad. Doch elektrische Mobilitätslösungen sind gegenüber etablierten Technologien noch teuer – und somit nicht attraktiv. Sharing-Systeme könnten hier Abhilfe schaffen: Durch eine hohe Auslastung der Verkehrsmittel lassen sich die hohen Fixkosten zu geringen Anteilen auf viele Nutzer verteilen. Das könnte auch für Lastenräder gelten. Neben hohen Beschaffungskosten sind die zudem sperrig, lassen sich schlecht tragen und den meisten Menschen fehlt es an Abstellraum – eine Sharing-Lösung im öffentlichen Raum wäre also ideal. Auch weil der Bedarf zum Transport von Waren nur punktuell besteht, z. B. beim Einkaufen. So könnten Bürger zum Einkaufen für einen kurzen Zeitraum ein Transportrad mieten, ohne hohe Anschaffungskosten – und auch die langwierige Parkplatzsuche wäre Vergangenheit.

"Um die ambitionierten Umwelt- und Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, bedarf es einer Mobilitätswende. Wir müssen uns beim Angebot stärker mit den Mobilitätsbedürfnissen der Menschen auseinandersetzen und das regionale Mobilitätsangebot bedarfsgerecht unter anderem um elektrische Transporträder erweitern", unterstreicht Projektleiter David Rüdiger.

Darum haben die Wissenschaftler vom Fraunhofer IML untersucht, wie sich Verleihsysteme für Transporträder in der Metropolregion Frankfurt am Main fördern und etablieren ließen. Im Rahmen des durch die Innovationsförderung des Landes Hessen geförderten Projekts haben sie zwischen Januar und Juni 2016 unter anderem Workshops mit beteiligten Partnern durchgeführt, in denen sie Einsatzszenarien für Lastenradverleihsysteme entwickelt haben.

Dabei sind drei Umsetzungsstrategien entstanden, denen jeweils unterschiedliche Betreiber- und Finanzierungsmodelle zugrunde liegen: Einerseits könnten sich Kommunen und Regionen im Bereich privatwirtschaftlicher Angebote engagieren. Andererseits könnten sie auch selbst aktiv werden und das öffentliche Nahverkehrsangebot um Transporträder erweitern. Das Projekt hat jedoch ergeben, dass sich ein solches Mobilitätsangebot nicht allein über Nutzungsgebühren finanzieren ließe. Daher bedürfe es einer externen Zufinanzierung, so die Forscher des Fraunhofer IML.

"Von der finanziellen Förderung der E-Mobilität ist das Fahrrad bislang ausgeschlossen, weil E-Bikes sich recht gut verkaufen. Aber dies gilt nicht für elektrounterstützte Lastenräder. Hier würde eine gezielte Förderung helfen, die Nutzung erheblich zu steigern", so Norbert Sanden, Geschäftsführer des ADFC Hessen, am Projekt beteiligter Forschungspartner.

Darüber hinaus fordern die Wissenschaftler drei Ansätze als nächste Schritte auf dem Weg zu einem Verleihsystem für Lastenräder: die Durchführung von Pilotprojekten; die Entwicklung von Kommunikationsstrategien, um Bürgern die Vorteile eines solchen öffentlichen Angebots aufzuzeigen; und die Weiterentwicklung des Produkts, vor allem im Hinblick auf das Produkt-Design.

"Wie hilfreich elektrisch verstärkte Transporträder sind, kann man auch bei mäßigen Steigungen, wie es sie fast im gesamten Frankfurter Stadtgebiet gibt, feststellen", sagt Jan Annendijck, der für das Frankfurter Radfahrbüro an den Lastenrad-Workshops teilgenommen hat. Mit einfach verfügbaren e-Transporträdern könnten viele Frankfurterinnen und Frankfurter zum Einkaufen vom Auto aufs Rad umsteigen.

Download des Ergebnisberichts



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